{"id":759,"date":"2009-05-31T19:29:08","date_gmt":"2009-05-31T17:29:08","guid":{"rendered":"http:\/\/ttc-eggenfelden.de\/ttc\/?p=759"},"modified":"2013-12-29T19:30:57","modified_gmt":"2013-12-29T17:30:57","slug":"tischtennisclub-feiert-75-jubilaeum-platten-pioniere-mit-dem-leiterwagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ttc-eggenfelden.de\/ttc\/tischtennisclub-feiert-75-jubilaeum-platten-pioniere-mit-dem-leiterwagen\/","title":{"rendered":"Tischtennisclub feiert 75. Jubil\u00e4um &#8211; Platten-Pioniere mit dem Leiterwagen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eggenfelden.<\/strong> Es war wenige Monate nach Kriegsende, als man ein paar junge Burschen durch Eggenfeldens Stra\u00dfen ziehen sah. Regelm\u00e4\u00dfig kamen sie des Weges, einen Leiterwagen hinter sich herziehend. Aufgeladen hatten sie eine Tischtennisplatte und ihr Weg f\u00fchrte zu den Wirtsh\u00e4usern. Wo man sie einlie\u00df, da bauten sie ihre Platte auf und spielten. Das waren die Anf\u00e4nge des Tischtennisclubs nach der Zwangspause w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs. Die Freude an der Sportart lebte wieder auf &#8211; und ebbte nicht mehr ab: N\u00e4chste Woche feiert der TTC sein 75-j\u00e4hriges Bestehen.<\/p>\n<p>Jakob Perl war einer der jungen M\u00e4nner auf der Suche nach einem Platz zum Trainieren. &#8222;Die einfachen Umst\u00e4nde, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen&#8220;, sagt der 79-J\u00e4hrige. Seit sechs Jahrzehnten ist er Mitglied im TTC, hat die Entwicklung zu einem der wichtigsten Vereine Eggenfeldens miterlebt. Und so denkt er bei Turnieren in einer gro\u00dfen Halle oft zur\u00fcck an die Anfangszeiten: als der TTC genau drei Tische besa\u00df. Als der Belag der Schl\u00e4ger aus Sandpapier statt aus Gummi bestand. Als man ein Loch im Ball m\u00fchsam mit fl\u00fcssigem Aceton flickte. Und als man mangels Trainingsplatzes mit dem Leiterwagen hausieren ging.<\/p>\n<p>17 Jahre alt war Jakob Perl damals. Schon w\u00e4hrend der Kriegsjahre hatten er und seine Freunde hin und wieder gespielt: &#8222;Zum Zeitvertreib, zur Unterhaltung.&#8220; Im elterlichen Wohnzimmer seines Freundes Dr. Hans Steiger, dessen Vater der erste Vorsitzende der Vereinsgeschichte war, r\u00e4umten sie den Tisch beiseite und stellten eine Platte auf. Tischtennis, erinnert sich Hans Steiger, geh\u00f6rte seit jeher zum Familienalltag. Selbstverst\u00e4ndlich, dass er selber zu spielen anfing: &#8222;Au\u00dfer Sport gab es nichts. Irgendetwas musste man machen.&#8220;<\/p>\n<p>1946 bildeten Perl und Steiger mit ein paar Gleichaltrigen die erste Jugendmannschaft des TTC. Spieler der Ersten und Zweiten brachten ihnen die richtigen Handgriffe bei. Und so begann anfangs das Vagabundieren mit dem Leiterwagen: Der TTC hatte keine Halle, kein Vereinsheim. &#8222;Wir spielten mal da, mal dort. Von den Lokalen gibt es heute kaum mehr eines.&#8220; Doch gest\u00f6rt hat die jungen Spieler die Herbergssuche nicht. Auch nicht, dass damals kaum ein Wirt seine S\u00e4le beheizte. &#8222;Im Winter brachten wir selber Kohle und Briketts mit. Vor allem bei den Turnieren mit Gastmannschaften schauten wir, dass es ein bisserl warm wird&#8220;, erinnert sich Perl.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Eine Hochburg des Tischtennis&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Immer schon h\u00e4tten die Eggenfeldener gute Kontakte zu anderen Vereinen, vor allem in Oberbayern, gehabt: &#8222;Da wurden schon vor dem Krieg Verbindungen hergestellt. An die konnte man ankn\u00fcpfen und schnell wieder aktiv in die Turniere einsteigen.&#8220; Bereits 1946, ein Jahr nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs, trat der TTC in die Bayerische Oberliga ein. &#8222;Eggenfelden wurde eine Hochburg des Tischtennis&#8220;, sagt Perl.<\/p>\n<p>Spieler aus M\u00fchldorf, Traunstein und M\u00fcnchen waren fortan oft zu Gast im Rottal &#8211; und umgekehrt fuhren die Eggenfeldener zu vielen Ausw\u00e4rtsspielen. Perl, Steiger und ihre Altersgenossen fuhren mit und sprangen hin und wieder als Auswechselspieler ein. &#8222;Da war man nat\u00fcrlich stolz&#8220;, erz\u00e4hlt Perl.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr nahm man auch die oft lange, aufwendige Anreise in Kauf: &#8222;Kaum einer hatte ein Auto. Wir mussten mit dem Zug mit vielen Zwischenstopps fahren. Einmal fuhren wir auf der Ladefl\u00e4che eines Lkw mit zu einem Spiel, nur notd\u00fcrftig zugedeckt.&#8220; Zusammengeschwei\u00dft h\u00e4tten solche Aktionen, sagt Jakob Perl: &#8222;\u00dcberhaupt waren wir eine eingeschworene Gemeinschaft.&#8220; Nach den zerm\u00fcrbenden Kriegsjahren, erz\u00e4hlt er, h\u00e4tten die Menschen sich vor allem in den Vereinen wieder zusammengefunden. &#8222;Es kam wieder eine Gesellschaft zustande. Man traute sich wieder zu lachen, der Ernst war abgefallen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Vereine &#8211; neben dem TTC zum Beispiel der SSV oder der Turnverein &#8211; waren es auch, die den Fasching zur\u00fcck nach Eggenfelden brachten. Das Tischtennis-Kr\u00e4nzchen im Gruber-Keller West wurde schnell beliebt. &#8222;Es spielten kleine Musikkapellen, man verkleidete sich. Es herrschte gro\u00dfe Ausgelassenheit&#8220;, sagt Jakob Perl. Alte Fotos zeigen die Freunde mit H\u00fcten und wild gemusterten Hemden in der &#8222;Kongo-Bar&#8220;.<\/p>\n<p>Weihnachtsfeiern und Sommerfeste wurden weitere Pflichttermine. &#8222;Die erste Weihnachtsfeier werde ich nie vergessen&#8220;, erz\u00e4hlt Perl. Alkoholische Getr\u00e4nke konnte man nirgends kaufen, &#8222;es gab h\u00f6chstens D\u00fcnnbier&#8220;. Umso gr\u00f6\u00dfer war die Freude, als Mitglieder von einem Landwirt Most auftreiben konnten. &#8222;Was war der sauer. Aber wir tranken ihn gern. Und hatten alle einen Schwips.&#8220;<\/p>\n<p>Im Verein bildeten sich Freundschaften, die bis heute gehalten haben. So zum Beispiel die zwischen Perl und Steiger. &#8222;Tischtennis verbindet&#8220;, sagt Jakob Perl. Auch als er als Schreinerlehrling ein halbes Jahr in Kelkheim im Taunus verbrachte, habe Tischtennis ihm manche T\u00fcr ge\u00f6ffnet: &#8222;Als ich dort hinkam, habe ich mich gleich nach einem Verein umgesehen. Ich spielte regelm\u00e4\u00dfig und lernte viele Leute kennen.&#8220; Gerne beobachtet Jakob Perl heute die Nachwuchsspieler, die ebenfalls eine eingeschworene Mannschaft sind und mit viel Ehrgeiz an der Platte stehen: &#8222;Heutzutage wird viel mehr auf Spieltechnik geschaut als damals bei uns.&#8220; Ihm habe das Training mit Ball und Schl\u00e4ger vor allem im Alltag gen\u00fctzt: &#8222;Tischtennis ist ein schnelles Spiel. Man muss flink reagieren. Das bringt einem zum Beispiel im Stra\u00dfenverkehr was. Das Reaktionsverm\u00f6gen ist besser.&#8220;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Urgesteine&#8220; haben noch Kondition<\/strong><\/p>\n<p>Mit Hans Steiger spielt Perl bis heute gerne eine Partie. &#8222;Normalerweise treffen wir uns montags und trainieren eine gute Stunde.&#8220; Als vor f\u00fcnf Jahren ein gro\u00dfes Turnier anl\u00e4sslich des 70. Jubil\u00e4ums des TTC stattfand, traten Perl und Steiger als die &#8222;Urgesteine&#8220;-Mannschaft an. Und bewiesen dabei Kondition und Ballgef\u00fchl. Nichts besonderes, finden die Beiden. Denn: &#8222;Tischtennis verlernt man nicht.&#8220;<\/p>\n<p>Am Sonntag, 24. Mai, feiert der TTC sein Jubil\u00e4um im Rahmen der Aktion &#8222;Eggenfelden bewegt sich&#8220;. Die Halle IV am Sportzentrum ist von 11 bis 17 Uhr ge\u00f6ffnet. Das Tischtennis-Schnuppermobil des Deutschen Tischtennis Bundes ist ebenfalls vertreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eggenfelden. 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